Potthäger Wald

Der südliche Teil unserer Gemeinde ist bedeckt vom Potthäger Wald – einem insgesamt über tausend Hektar großen, zusammenhängenden Waldgebiet mit Mooren, Wiesen und einer artenreichen Flora und Fauna. Hier rufen der Kuckuck im Frühjahr und der Rothirsch im Herbst, hier brütet der Kranich im Sommer und ist der Tannenhäher im Winter zu Gast. Hier halt das Klopfen des Spechtes durch den Wald.

Specht im Potthäger Wald

Eine Reihe von Wanderwegen, deren Netz auf Karten am Anfang des Guester Weges (Kreuzung zwischen Pott- und Weitenhagen) aufgeführt ist, lädt ein zu einem ausgiebigen Spaziergang.

Forstlich wird der größte Teil des Potthäger Waldes von der Universität Greifswald bewirtschaftet. Die Universität Greifswald ist die Hochschule mit dem größten Waldbesitz in Deutschland. Der Universitätsteil des Waldes besteht heute zu jeweils ca. 50 Prozent aus Laub- und Nadelholzarten.

Baumarten-Gruppen im Universitätsrevier Potthagen

In vielen Bereichen des Waldes sind die Folgen des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit noch unmittelbar erkennbar: Große Gebiete des Waldes wurden als Teil der deutschen Reparationszahlungen eingeschlagen, die Wiederaufforstung erfolgte später v.a. mit Fichten- und Kiefernreinbeständen. Beide Baumarten waren zu jener Zeit als Setzlinge schlicht deutlich besser verfügbar als andere Bäume. Heute werden großflächige Kahlschläge so weit wie möglich vermieden und eine artenreiche Naturverjüngung auf ganzer Fläche angestrebt.

Das Leben der Bewohner der Dörfer unserer Gemeinde war jahrhundertelang eng verbunden mit dem Potthäger Wald. Hier fanden sich Beeren, Nüsse und Pilze als schmackhafte Nahrung und willkommene Abwechslung zum täglichen Brot. Hier gab es Holz und Torf als Brennmaterial für den Winter. Und auch das Vieh fand direkt im Wald seine Nahrung: Eicheln und Bucheckern waren Schweinemast, Gräser, Kräuter und Laub Fraß für Rinder und Ziegen. Schwedische Matrikelkarten http://www.svea-pommern.de/, die ein detailliertes Zeugnis von den örtlichen Gegebenheiten im 17. und 18. Jahrhundert ablegen, zeigen Haselsträucher und Birken als dominanten Bewuchs auf, der durchsetzt von einigen alten Eichen und Eschen. Zu jener Zeit war der Wald deutlich übernutzt, viele Bestände waren devastiert (Heß 1957: 72). Eine nachhaltige Forstwirtschaft konnte sich auch auf den Flächen der Universität erst im 19. Jahrhundert langsam etablieren.

Der Wald gelangte wie auch große Teile der Ackerflächen auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde übrigens im 17. Jahrhundert in den Besitz der Universität Greifswald. Zu jener Zeit konnten die pommerschen Herzöge ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Landesuniversität kaum noch nachkommen, mit der Schenkung des Amtes Eldena an die Hochschule 1634 kauften sich die Herrscher gleichsam frei. Die Universität beglich mit den Einnahmen aus Verpachtung und direkter Bewirtschaftung des Waldes, der Wiesen und der Äcker bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ihre Ausgaben. Heute stellt die Forstwirtschaft eine wichtige Nebeneinkunft des universitären Haushaltes dar.

Literatur: Heß, Gerhard (1957): Die kulturgeographische Entwicklung der akademischen Dörfer Koitenhagen, Groß-Schönwalde, Klein-Schönwalde und Weitenhagen-Potthagen auf historisch-geographischer Grundlage. Greifswald.