Kleinbahndamm

Der Kleinbahndamm durchquert aus Richtung Greifswald kommend über Klein Schönwalde und Weitenhagen südlich an Potthagen vorbeiführend bis nach Grubenhagen unsere gesamte Gemeinde. Er ist Ergebnis des landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende und Zeugnis moderner Verkehrspolitik jener Zeit.

Ende des 19. Jahrhunderts intensivierte sich die Landwirtschaft spürbar und die großen Güter unserer Region hatten ein hohes Interesse daran, ihre Höfe an die Eisenbahnstrecke Berlin-Stralsund und gleichzeitig an die Stärkefabrik in Gützkow und die Zuckerfabrik in Jarmen anzubinden. Zu diesem Zweck gründete sich 1896 eine Aktiengesellschaft, die den Bau einer Schmalspurbahn plante. Die Gutsbesitzer der Umgebung waren in dieser Gesellschaft die bestimmenden Aktionäre. Bereits ein Jahr später konnte die Bahnstrecke Greifswald – Jarmen mit einer Spurbreite von 750 mm eröffnet werden. Dampfloks zogen Güter- und Personenwagen durch Wald und Flur, später kamen auch Triebwagen hinzu. Für Weiten-, Pott-, und Helmshagen wurde am Guester Weg auf dem Gelände der heutigen Kinderkrippe ein gemeinsamer Bahnhof gebaut. Jährlich wurden bis zu 100 000 Tonnen Güter transportiert. Zuckerrüben hatten dabei mit ca. 50 Prozent den größten Anteil, daneben wurden Kartoffeln und Getreide, aber auch Brennstoffe und Dünger gefahren.

Kleinbahn

Neben der wirtschaftlichen Bedeutung für die Agrargüter hatte die Inbetriebnahme der Bahn insbesondere für Weitenhagen und Potthagen einen weiteren Effekt: Viele Greifswalder nutzten die Kleinbahn in der Folge für Ausflüge in unsere Gemeinde und spazierten an der Schwedenschanze vorbei zum Söllkensee. Es entstanden drei Gaststätten (im Bahnhof sowie die Gaststätte „Zum Söllkensee“ in Potthagen und „Zur Schwedenschanze“ in Weitenhagen) und die Gemeinde erlebte gleichsam eine Art frühen touristischen Boom. Bis 1919/1920 fuhren jährlich über 100 000 Personen mit der Kleinbahn. Die Bewohner unserer Gemeinde nutzten die Bahn z.B. für Fahrten zum Markt nach Greifswald und als Schülertransport. Aber auch spezielle „Theaterzüge“ waren unterwegs und brachten die Frauen und Männer unserer Dörfer zum Kulturbesuch in die Stadt und abends wieder zurück.

Das größte Verkehrsaufkommen hatte die Bahn sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr 1913/14. Später bekam die Aktiengesellschaft zunehmend die neue Konkurrenz von Omnibussen und ersten privaten Autos zu spüren. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gleis am 12.07.1945 abgebaut und gemeinsam mit Lokomotiven und Waggons als Reparationsleistung an die Sowjetunion gegeben.

Heute ist der Kleinbahndamm eine vielbenutze Wander- und Joggerstrecke, die Weitenhagen und Grubenhagen verbindet und ungefähr auf halben Wege an der Tonkuhle vorbeiführt. So mancher Apfelbaum an der Strecke soll übrigens ein direktes Andenken an die damalige Zeit sein: Aus dem Fenster geworfene „Appelgriepsche“ sind in den letzten hundert Jahren zu stattlichen Bäumen herangewachsen.

Kleinbahndamm heute

Ein Teil des historischen Gleises wurde beim Umbau der Kinderkrippe Lütte Waldströper als Träger in den alten Wänden gefunden. Wie dieses Bahngleisstück heute genutzt wird, können Sie auf der unserer KITA-Seite erfahren. 

Viele der Informationen stammen aus: Hormann, Werner (1982): Die ehemalige Kleinbahn Greifswald-Jarmen aus historisch-geographischer Sicht. In: Greifswald-Stralsunder Jahrbuch, Bd. 13/14, Weimar, S. 271-286.